Seit dem Studium nicht mehr mit Bachläufen beschäftigt. Und doch große Lust auf Hochwasserschadensbeseitigung am 2013 „abgesoffenen“ Wiesengraben inmitten einer ökologischen Halbwüste zwischen Schöpsdamm und Lohmener Straße. Gras und wieder nur Gras, bis an die Uferränder als Pferdeweide genutzt. Vergewaltigtes Steilwandprofil, Rasengitterplatten, rechtwinklige Richtungsänderungen, abflusshindernde Verschlammung. Ein munteres Fließgewässer stelle ich mir anders vor. Trotz des sympathischen Teichfroschs, der auf der grünen Wasserlinsenpfütze schwimmt.

Hat Natur Ansprüche? Die Menschen ringsherum haben sie. Pferdekoppel erhalten, sonnenverwöhntes Röhricht erhalten, Durchgängigkeit herstellen, Hochwasserabfluss gewährleisten, Zufahrt fürs Spülfahrzeug, Naturdenkmal-Eichen nicht gefährden, auch das Landschaftsbild nur vage aufwerten. Etwas „Lieber-Gott-Spielen“.

Der Schöpfungsakt gelingt für alle Beteiligten zufriedenstellend, wenn es auch nur kleine Windungen im Bachbett und spärlich gehölzbesäumtes Ufer gibt. Den Rest muss die Natur schaffen. Nach trockener Bauzeit 2016 kommt kurz das Wasser wieder, flutet das neue Bachbett, belebt die exakte Sohlgestaltung mit etwas Dynamik, die Aussaaten heimischer Pflanzen spielen Feuerwerk. Prächtige Blütenwucht, flatternde, summende Insektenwolken. Bachstelzen und Libellen finden sich ein. Projekt gelungen?

Seit über 2 Jahren fehlt nun das Wasser vom Himmel. Die letzten Pfützen sind ausgetrocknet, die Wiesenvegetation der Randstreifen hat sich im Bachbett breitgemacht, die Gehölze verbleiben im Jungpflanzenstadium. Ja, es blüht zumindest noch ein wenig und erfreut alle Trockenpflanzenliebhaber. Hat Gott etwas anderes vorgehabt als der Planer? Sollte es eines Tages wieder Wasser im Bach geben, wird´s interessant. Vertrauen auf die Natur, die mit ihrem Potenzial und den – sich irgendwo – verkrochenen Pflanzen und Tieren hoffentlich die beabsichtigte Artenvielfalt wieder herstellen kann. Ökologie ist nicht so einfach, wie man denkt.